Robert Eden genoss eine behütete, unbeschwerte Kindheit auf einem englischen Landsitz. Aus gutem Hause mit Verwurzelungen in den britischen Hochadel stammend, war wohl selbst sein Lebensweg nach dem Schulabschluss schon früh durch die Eltern vorgegeben. Eine steile Karriere in der Politik, der Diplomatie oder eine führende Funktion im Finanzwesen. Das wäre standesgemäß und somit ganz nach den Vorstellungen der Eltern gewesen. Doch Roberts Gabe für den Umgang mit natürlichen Ressourcen sowie eine sicher nicht zu klein ausgefallene Prise an Rebellion gegen die fest verwurzelten Familientraditionen, standen ihm - oder besser gesagt den Plänen seiner Eltern - im Weg. Die Leidenschaft für guten Wein war ihm dabei nicht wirklich in die Wiege gelegt. Es handelte sich um einfaches Bier. Selbstgebrautes. Darin sah er seine Erfüllung. Prinzipiell stellt diese Tätigkeit ja kein Problem dar. Eden jedoch braute es illegal. Was die Sache noch schlimmer machte: er tat es für seine Mitschüler. Als seine Eltern über die Direktion des elitären Colleges davon Wind bekamen, waren sie “not amused“ und zogen umgehend Konsequenzen. Weiteren Schandtaten des Sohnes, die in erster Linie den Ruf der Familie hätten negativ beeinträchtigen können, schoben sie einen Riegel vor. Dabei nutzten die Eltern Ihr weltweites Netzwerk im britischen Commonwealth, klebten dem Sohn eine Briefmarke auf die Stirn und schickten ihn - mit dem Nötigsten ausgerüstet - auf die andere Seite des Globus. Das Verlassen des wohl behüteten Elternhauses sollte ihn als geläuterten Rebell in den gut gehüteten Schoß der Familie Eden zurückzukehren. So erhoffte man sich, dass Robert den vorgegebenen Weg doch noch einschlägt. Was heute auf privaten Sendern unter Trashformaten wie z.B. „Die strengsten Eltern der Welt“ ausgestrahlt wird, hat Eden im zarten Alter von 18 Jahren also wirklich selbst erlebt. Ganz alleine auf sich gestellt, sollte er lernen sich mit eigenen Mitteln durchzuschlagen.

Kaum in Australien angekommen, heuerte Robert schnell auf einem kleinen Weingut an und schnitt von nun an unter der glühenden Sonne Australiens Reben, half bei der Lese und erfüllte niedrige Arbeiten beim Ausbau der Weine. Zu Beginn war er vertieft in die tägliche Arbeit, konzentrierte sich darauf die richtigen Handgriffe anzuwenden und lernte mit der Mentalität der Australier zurecht zu kommen. Kaum hatte sich jedoch so etwas wie Routine eingestellt, ließ er seinen Gedanken freien Lauf. Er stellte sich die Frage nach dem Sinn seiner Arbeit. Schließlich war es für das Forschen nach dem Sinn des Lebens schlichtweg noch viel zu früh. Von nun an ging Robert bewusster ans Werk. Er erkannte schnell die groben Zusammenhänge zwischen seiner scheinbar simplen Arbeit im Weinberg und der späteren Qualität des Leseguts. Diese Art des Schaffens gab ihm eine tiefe Befriedigung, der Einklang mit der Natur machte ihn glücklich.
Den Flug zurück nach Europa buchte Robert ein paar Jahre später selbst.
Das Ziel für seinen nächsten Aufenthalt war jedoch nicht England. Es zog ihn nach Italien und Spanien. Dort verfeinerte er sein inzwischen sehr solide entwickeltes Handwerk und knüpfte durch seine aufgeschlossene, weltoffene Art sehr schnell und überall interessante Kontakte. Einer davon war Kevin Parker. Ein Investor mit tiefgrüner Ideologie. Dieser Kontakt sollte der nächste Schritt im Leben von Robert Eden sein. Der Schritt in die Selbständigkeit. Im Jahr 1996 übernahmen die Beiden ein altes, heruntergewirtschaftetes Gut im beschaulichen La Liviniere. Die Bestandsaufnahme fiel auf den ersten Blick sehr nüchtern aus. Der Boden war durch übermäßigen Einsatz von Düngemitteln und Chemie restlos ausgelaugt, die alten Rebstöcke zeigten sich geschwächt, die Fruchtfolge war schlichtweg miserabel und die Ernten keineswegs zufriedenstellend. Keine einfache Aufgabe der sich die beiden Idealisten gestellt haben. Doch sie hatten einen Plan.

Die Ausgangsposition in Puncto Rebbestände war sehr gut. Denn es handelte sich größtenteils um 50-70 Jahre alte Grenache- und Syrahreben, die eigentlich in der Lage waren eine qualitativ hochwertige Ernte zu ermöglichen. Deshalb griffen die beiden das Problem im wahrsten Sinne des Wortes bei den Wurzeln. Wichtigster Ansatzpunkt war die Renaturierung des Bodens. Um ihm und somit auch den Reben wieder die notwendigen Nähr- und Mineralstoffe zuzuführen, setzten sie unter Anleitung von Francois Bouchet, einem absoluten Experten in Sachen biologischer Weinbau, ein enormes Regenerationsprogramm in die Tat um. Aus alten Zeiten überlieferte, traditionelle Methoden der Landwirtschaft setzten sie sinnvoll ein und verzichteten fortan auf Chemie und künstliche Düngemittel. Damals war das kein kluger Marketingschachzug sondern schlichtweg die Besinnung „back to the roots“. Zurück zu den Wurzeln. Und zwar mit dem einfachen Hintergrund im Einklang statt gegen die Natur zu arbeiten. Zuerst machten die Beiden der öden Monokultur den Gar aus. Zwischen den Rebreihen säten Sie Gerste, Weizen und Senf und ließen dem Wachstum freien Lauf. Durch das Unterpflügen in den Boden, kamen die wichtigen Nährstoffe auf natürlichem Wege in den Kreislauf zurück. Eine weitere effektive Maßnahme war die Anreicherung des Bodens mit natürlichem Dung von Schafen, Kühen und Pferden. Letztere setzten sie von Beginn an zur Bewirtschaftung der Flächen bodenschonend ein. Zur Stabilisierung der Reben, stellten sie schließlich intensive Tees nach alten Rezepten her. Das liegt nahe wenn man die britischen Ursprünge Edens bedenkt. Die Essenzen bestanden aus Kamille, Lavendel, Brenesseln und wichtigen Mineralien. Alles natürliche Zutaten von denen wertvolle Wirkstoffe extrahiert und durch gezieltes Gießen und Besprühen an die ausgelaugten Pflanzen weitergegeben wurden. Die Fortschritte der Regeneration waren fortan täglich zu beobachten. Qualität und Quantität nahmen im Einklang miteinander zu. Bei einem Ertrag von 32hl pro Hektar pendelte sich schließlich das ideale Verhältnis ein. Dennoch sollte es fast vier lange Jahre dauern, bis die erste Ernte eingefahren werden konnte, die sich zur Produktion eines eigenen Jahrgangs eignete.

Erst dann konnten sich Parker und Eden um die Ausrichtung des Weinguts sowie die Entwicklung ihrer Rebflächen kümmern. Den Beiden gelang es, eine Symbiose aus überwiegend altem Rebbestand sowie einigen Neupflanzungen zu schaffen, die im Keller durchgängig den Ausbau hervorragender Qualitäten ermöglichen. So haben Sie sich neben den im AOC klassifizierten Rebsorten wie z.B. Carignan oder Syrah auch eine kleine Parzelle mit alten Grenache Gris Reben erhalten. Dies macht auf den ersten Blick nur wenig Sinn, denn aus diesen Trauben gewonnener Wein muss zwangsläufig als VdT - Vin de Table in den Verkauf gebracht werden. Das Ergebnis ist jedoch ein höchst interessanter Wein für Liebhaber des Außergewöhnlichen.
Doch Robert Eden ist ein rastloser Typ. Stillstand bedeutet Rückschritt. Nachdem das Weingut 2002 durch Ecocert, 2004 von Biodyvins und 2008 schließlich noch durch Demeter klassifiziert wurde, war der Ehrgeiz nach einer Fortsetzung dieser grünen Erfolgsgeschichte endgültig geweckt. Robert hatte die Vision eines CO2 neutralen Kellers in dem er seine Weine ausbauen konnte. Selbstverständlich aus natürlichen Ressourcen. Es stellte sich dann schnell heraus, dass Bausteine aus einem Kalk-Hanfgemisch nicht nur eine ideale Dämmfunktion in Form einer Wärme-/Kältebrücke erfüllen. Vielmehr bindet das Hanf auf Jahre über die Verarbeitung hinaus freies CO2 aus der Luft. Es verging nicht viel Zeit von der Idee bis zur Umsetzung und im Jahr 2012 konnte die erste Ernte im neuen Keller eingefahren werden.